Die Alchemie des „Bien“
Wenn wir in die Welt der Apis mellifera eintreten, begeben wir uns in eine mehrdimensionale Landschaft des Seins. Die Lebensgeste der Honigbiene ist so einmalig und unterscheidet sich von den meisten anderen Lebensformen derart, dass die vernunftbegabte Seele allein ihrer Natur kein ausreichendes Verständnis entgegenbringen kann. Rudolf Steiner beschreibt die Bienen in seinen Vorträgen als „Weltenrätsel“. Dies deutet auf ein Verständnis, das über die Ratio hinaus in eine andere Bewusstseinsebene einlädt.

Um die Einheit des Bienennestes zu beschreiben, können wir den Ausdruck „Bien“ benutzen, welcher auf seine einzigartige Persönlichkeit und geistige Qualität seiner Gestalt verweist. Je nach Perspektive kann die einzelne Biene als Individuum oder als Körperzelle verstanden werden, unaufhörlich zwischen diesen Polen des Seins pulsierend. Ähnlich wie das Licht, das als Welle oder Partikel beschrieben werden kann, zeigt sich der Bien vielschichtig unter sich zum Teil widersprechenden Gesetzmässigkeiten. Ein bedeutsamer Aspekt des Phänomens Bien ist sein Dasein zwischen Welten und Gesetzmässigkeiten. Alte Kulturen betrachteten die Honigbiene als Botschafterin, die Himmel und Erde verbindet. Dieses Pendeln zwischen gegensätzlichen Polen des Seins macht den Bien zu einem einzigartigen, heiligen und auch rätselhaften Wesen.

Mit dem Bien zu leben ermöglicht uns, neue Wege des Seins und der Verständigung zu entwickeln. Sobald wir uns auf eine Beziehung zu ihm einlassen, können wir mit unseren gewöhnlichen Sinnen kein deutliches Gesicht erkennen. Es kann angenehmer sein, uns mit unserem Hund, unserer Katze oder einem anderen Haustier zu verständigen, weil wir dabei in ein Gesicht blicken können. Das Gesicht des Bien hingegen kann nur mit „ungewöhnlichen“ Sinnen gesehen werden. Mit anderen Worten, um das Nicht-Wahrnehmbare mit unserem normalen Bewusstsein wahrnehmen zu können, müssen wir unsere Sichtweise verändern. Die Suche nach dem Gesicht des Bien hat das Potenzial, unsere übliche Denk- und Wahrnehmungsweise zu verändern, weil wir damit etwas ausserhalb unseres gewöhnlichen Bezugsrahmen Liegendes anstreben. Wir werden eingeladen, ein unbekanntes Gebiet unseres Bewusstseins zu betreten. Wer sind wir in diesem Augenblick? Wie treten uns die Bienen aus dieser neuen Perspektive betrachtet entgegen? Wie wirkt sich dieser Prozess auf unsere Selbstwahrnehmung aus?

Wenn wir die vielschichtige Landschaft des Bien betreten, kommen wir zu einem völlig neuen Verständnis seiner Lebensgesten. Beispielsweise dessen, was wir „schwärmen“ nennen. Der Schwarm lässt als ein Neugeborener alles hinter sich. Er gibt seine Identität ebenso auf wie die sorgfältig eingeprägte Lage seines bisherigen Heims und wagt sich ins völlig Unbekannte. Er lässt Körpergewebe und wesentliche Teile seines Systems wie das komplexe Wabennetz mit all seinen Eigenschaften hinter sich. Voller Vertrauen, Energie und Entschlossenheit begibt sich der Schwarm ins Unbekannte und überschreitet die Schwelle zu einem Ort zwischen Tod und Wiedergeburt. Dieses Hineinströmen ins Unbekannte scheint einherzugehen mit absolutem Vertrauen und Zuversicht, ähnlich dem Urvertrauen in unserem eigenen Leben. Es ist, als ob wir zusehen könnten, wie Anstrengungen von uns abfallen und wir erfahren, was es bedeutet, vollständig im Moment gegenwärtig zu sein – so wie wir nach Hause kommen, nachdem wir dieses zuvor verlassen haben.
Wenn wir uns auf die Innigkeit des Nicht-Wissens einlassen, eröffnet sich uns ein unermessliches Daseinsfeld. Altruismus ist eine der tiefsten Lebensgesten des Bien. Immer bescheiden und schlicht, scheint das Lebensgefüge des Bien aus Dienen und Mitgefühl zu bestehen. Sein Selbstgefühl orientiert sich am Miteinander und nicht an Trennung. Wenn wir uns mit dem Bien verbinden, gelingt es uns, ein tiefes Verständnis für die Zusammengehörigkeit allen Lebens zu entwickeln und uns innig auf unsere tiefsten Fragen einzulassen. Der Bien strahlt Wärme und Innerlichkeit aus. Er kann uns das Gefühl von unendlicher Verletzlichkeit vermitteln. Er bringt uns dazu, mit unseren Herzen statt nur mit unseren Augen zu sehen. Die Erkundung der Bienen führt wie selbstverständlich zur Erkundung unseres eigenen Bewusstseins.

Mit Bienen zu leben hat nichts mehr mit Gerätschaften, Bienenstöcken oder Managementmethoden zu tun – schlussendlich geht es um den Fortbestand des Lebens auf der Erde. Der Bien steht im Zentrum der Biosphäre der Erde. Bienen sind Botschafterinnen des Lebens, denn sie garantieren Bestand und Wohlergehen einer grossen Anzahl von Pflanzen und Tieren. Unsere Nahrungskette ist von ihnen abhängig.

Die beziehungsreiche Szenerie des Bien eröffnet ein kreatives Feld der Möglichkeiten, um neue Wege des Lebens zu erkunden. Bienen können eine Inspiration sein in Zeiten von Unruhe und Veränderung. Bienenhaltung kann zu Bewusstseinsarbeit werden und unsere Aufgabe als Bienenhalter uns zur Meisterschaft führen.

Dies alles legt die Bezeichnung „Api-Sophia“ nahe. Viele Pforten und Wege können zur Erkenntnis unseres Lebens führen. Api-Sophia ist einer von ihnen.

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